Gedanken einer Vielreisenden

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Koriander

Es gibt Tausende von Gewürzen und Kräutern. Und manche sind so essentiell für ein Gericht, dass sie dieses definieren.

Was wären Tomaten ohne Basilikum, Kartoffeln ohne Rosmarin und eine Gemüsesuppe ohne Sellerie? Wer denkt bei Anis nicht sofort an Sambucca oder bei Kokosnuss an die Tropen.

Natürlich gibt es im Gegenzug dazu immer etwas, was wir auf den Tod nicht ausstehen können und in meinem Fall ist das : Koriander.

Egal in welcher Menge, meiner Nase und meinem Gaumen entgeht keine Faser dieses abscheulichen Gewürzes. Seit vielen Jahren bin ich in Asien unterwegs und jedes Gericht, dass eventuell Koriander enthalten könnte, fällt schon aus Prinzip aus. Alle anderen Gerichte werden argwöhnisch beschnuppert und ich zerpflücke sie mit der Gabel auf das Penibelste, ob sich nicht doch ein kleines Stückchen zerrupften Blattes Koriander darin verirrt hat. Habe ich doch mal eines davon erwischt, wurde der Bissen ausgespuckt und das ganze Gericht wie eine todbringende Plörre von mir geschoben.

Während Gesprächen über Kochen, Rezepte und internationale Küchen wurde immer zuverlässig mindestens ein Gleichgesinnter gefunden der meiner Meinung war, die die Koriander ertragen konnten mussten zugeben nur in kleinen Mengen und die Mehrheit war sich einstimmig einig: Koriander geht gar nicht und ist das Un-Gewürz unter den Gewürzen.

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Als Kind haben wir eine Vorstellung von dem, was wir später arbeiten wollen, weil wir keine Ahnung haben was Arbeiten bedeutet. Wir sagen wenn wir alt sind , also so 30, wollen wir Kinder und einen Hund haben, wir denken wir stehen dann fest im Leben. Es ist unvorstellbar weit weg und wir plappern leichtfertig über unsere Vorstellungen von dieser Zeit. Dann sind wir Teenager und denken wir sind fertig- ich brauche keine fucking Mütze, meine Eltern haben ja keine Ahnung und überhaupt kann ich alles alleine. Wir sind bis unters Dach voller Hormone und sowieso allem gewachsen.

Und dann sind wir erwachsen und lächeln auf diese Zeit zurück– jetzt sind wir nämlich fertig. Wir haben immer eine Vorstellung im Kopf und wissen bestens Bescheid wie etwas werden soll, wie etwas laufen soll und auf die Frage wo wir uns in fünf jahren sehen wird immer weniger geträumt. Wir erstellen Profile bei Facebook, Pinterest, Lovoo, Tinder und Couchsurfing. Wir denken wir wissen wer wir sind, was wir mögen und wohin der Weg führt, dass das Jetzt und Hier sicher ist und so bleiben wird. Wir haben feste Überzeugungen und mit jeder Lebensphase, mit jeder Erfahrung, mit jeder Liebesgeschichte und jeder Freundschaft lernen wir dass wir anders handeln, Überzeugungen über Bord werfen, Dinge doch nicht so gut oder schlecht finden und entwickeln uns.

Trotzdem werden wir jedes Mal wenn uns jemand nach einer Präferenz fragt diese nennen können, aber auch das exakte Gegenteil, was wir gar nicht abkönnen. Und je mehr Erfahrung wir sammeln, um so sicherer sind wir dass wir also nun fertig sind, weil wir uns ja schon so stark verändert haben, noch erwachsener sind, noch sicherer als überhaupt und sowieso. Wir vergessen dass dies vielleicht nur für jetzt, nur für heute und vielleicht nur diesen Sommer gilt.

Das ist jetzt, das ist heute und genau da sollst du sein- denn jetzt geh raus! Stürze dich in die Welt und in all die Fülle an Gelegenheiten die sie dir bietet um deine Meinung zu ändern!

 

 

14571967_10205098043490333_1755192222_oNeulich stand ich an einer kleinen thailändischen Garküche und fragte „Chan samarth pord koriande mak kuhn ka ?“ – kann ich bitte etwas mehr Koriander haben?

Eva’s neuer Blog: www.sonnenabteil.com


 

Dein Rhythmus

Ich bin schnell. Ich laufe schnell. Ich entscheide schnell. Ich lese schnell. Ich bin schnell startklar und packe schnell. Dafür esse ich langsam und unterhalte mich gerne in Ruhe und kann Coffee to go nicht nachvollziehen.

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Paolo Coelho hat eine wunderschöne und unglaublich wahre Anleitung zum Reisen geschrieben. Lass einfach mal die großen Sehenswürdigkeiten weg die du nur besuchst weil sie als „must seen“ gelten. Besichtige nur die Kirchen, Plätze und Dinge die dich interessieren, die dich anziehen und in deinen Tag passen. Die du zufällig entdeckst.

Nimm dir Zeit nach dem Aufstehen und höre in dich rein. Möchtest du lieber zurück ins Bett und nochmal ne Stunde schlafen? Möchtest du daheim rumgammeln und dir einen Tatort auf Youtube angucken? Magst du den ganzen Tag in einem gemütlichen Cafe abhängen, mit der Kamera durch ein Viertel streifen oder auf eigene Faust mal da ins Grüne Richtung dieses Nationalparks fahren? Bist du gut drauf? Hast du gegessen? Auch das was du magst oder nur das was billig war ? Bist du jetzt bereit oder lieber noch eine Stunde lesen oder hast du Hummeln im Hintern und es soll gleich losgehen? Hast du alles? Ist dir nach Gesellschaft oder allein sein ? Was möchtest du? Was brauchst du heute?

Was ist dein Rhythmus ?

Ich habe einige Reisearten ausprobiert und das ist auch wichtig um zu spüren womit man nich so gut klar kommt. Gruppenreise, geführte Reisen, mit der Mutter oder dem Partner, in Mädelsgruppen oder einem Männerrudel, mit spontanen Reisegefährten und mein persönlicher Favorit: alleine.

Alleine brauchst du nicht nachfragen und Rücksicht nehmen, du brauchst keine Kompromisse eingehen, es ist nicht nötig zu diskutieren und Argumente zu sammeln, auf jemanden zu warten, sich nach den Vorstellungen oder den Bedürfnissen anderer zu richten.

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Es ist so herrlich wenn man unabhängig einfach eine andere Richtung einschlagen oder sich Anderen spontan anschliessen kann. Du gehst wann du genug hast, du bleibst solange du das möchtest, du entscheidest nach deiner Intuition, du feierst deinen eigenen Erfolg, deine glücklichen Zufälle. Du siehst was du sehen willst, du hast das süsse kleine Cafe ganz alleine gefunden, den Tempel kennt keiner den du auf deiner Reise triffst außer dir. Du bist ganz mit dir alleine und kannst dich selbst erforschen und kennenlernen. Und du bist ganz alleine- und du wirst immer heil und unversehrt weiterkommen oder zurückkommen. Plus: du hast es ganz allein geschafft!

Das kann dir niemand nehmen und das was du erfährst und mit eigenen Augen wahrnimmst kann dir keiner beibringen. Alleine Reisen ist wie der Frontsänger einer Band- wenn du den Erfolg willst musst du ganz vorne stehen.

Aber das Wichtigste, du bist auf dich alleine gestellt und lernst dich zu beobachten, dich wahrzunehmen, und zwar nicht in der U-Bahn wenn du zur Arbeit fährst und weder Buch noch Handy dabei hast. Das Reisen stellt dich vor neue Herausforderungen, es provoziert deine Ängste und lockt dich erbarmungslos aus dir heraus. Du weisst nicht weiter? Du wirst deine Scheu überwinden und jemand Fremdes um Hilfe bitten oder ihm deine Frage stellen. Dabei wirst du viele Gefühle in dir hören und ein wichtiges davon ist deine Geschwindigkeit.

Du wirst merken was dein Rhythmus ist. Du wirst dich und ihn spüren. Du bist dein Rhythmus und brauchst ihn. Ein Tanz ohne Rhythmus sieht doof aus, unausgewogen. Ein Mensch ohne seinen Rhythmus tanzt nach der Pfeiffer anderer.

Das Leben ist eine Trommel- achte auf deine Schritte, damit du nicht aus deinem Rhythmus kommst. – Zitat von Unbekannt-

 

Über die Autorin

Eva (32) ist eine Globetrotterin aus Leidenschaft. 14600615_10205098119012221_1430771101_oSeit sie denken kann, ist sie auf unserem wunderschönen Planeten unterwegs. Sie bereiste unter Anderem Kanada, Spanien, Frankreich, Marokko, Italien, Schweiz, Irland, Schweden, Dänemark, Österreich, Kroatien, Ägypten, Laos, Malaysia, Vietnam, Kambodscha und Thailand. Das letzte Jahr verbrachte sie komplett in Chiang Mai, Thailand. Auf ihrem ganz frischen Blog www.sonnenabteil.com schreibt sie über ihren Weg durch die Welt. Inlandsflüge gibt es für Eva aus Prinzip nicht, sie reist mit Bus, Bahn oder Schiff um ihre Umgebung kennenzulernen. 

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