1400 Km zu Fuß – Eine total verrückte Reise – Italien/Frankreich/Spanien (Teil 2)

Share on Facebook0Share on Google+0Tweet about this on TwitterPin on Pinterest0Email this to someone

1400km_zu_fuß_teil2

In diesem Teil der Artikelserie “1.400 Km zu Fuß – Eine total verrückte Reise” erzähle ich dir, wie es dazu kam, dass wir in einer alten brüchigen Burgruine unsere Nacht verbrachten und was wir noch so alles auf dem Weg zur französischen Grenze erlebt haben. Außerdem erfährst du, warum David und ich nur noch zu zweit waren, als wir die französische Grenze überquert haben.

Falls du Teil 1 noch nicht gelesen hast, solltest du das dringend nachholen: Zu Teil 1

Du kannst dich sicher noch erinnern, im letzten Artikel verbrachten wir eine Nacht in einem abgelegenen verlassenen Gebäudedistrikt. Nach einer erstaunlich entspannten, erholsamen Nacht, einem energiereichen Frühstück und ein paar Dehnübungen (wir haben uns tatsächlich nach einer Weile eine Guten-Morgen-Routine angewöhnt),  verließen wir die Geisterstadt genau so, wir wir zu Anfang hinein gelangt waren. Ausgeruht und voller Energie liefen wir mittlerweile den nötigen Tagesschnitt und erfreuten uns an jedem geschafften Kilometer. So langsam waren wir uns alle vier einig, wir würden das schaffen!

IMG_5385

 

Da es immer noch April war, war es Nachts zu dieser Zeit ziemlich kalt. Alle außer mir hatten einen dicken Schlafsack und relativ wenig Probleme in der Nacht zu schlafen. Ich dagegen hatte dummerweise nur einen etwas leichteren Sommerschlafsack, daher war es mir Nachts teilweise echt kalt. Dank eines guten Abendessens und den Strapazen des Tages schlief ich aber meistens trotzdem relativ bald ein.

IMG_5422

 

Ein paar Tage nachdem wir in der Geisterstadt geschlafen hatten, welche wir übrigens, einfallsreich wie wir waren, Zombie Land getauft hatten (lach), fanden wir einen super Schlafplatz unter einer Brücke. Nach einem unglaublich schönen Sonnenaufgang, dessen Sonnenstrahlen wir schon seit Stunden sehnsüchtig erwarteten, fanden wir in der Früh eine verlassene Fischerhütte mit einer Dusche! Allerdings war diese eiskalt. Nach einer echt kalten Nacht, war das natürlich ein ziemlicher Härtetest für Jeden von uns. Wir duschten alle nacheinander und von Außen konnte man von Jedem einen Schrei vernehmen, der die Dusche über sich aufdrehte. Shit, war das kalt. So kalt das es auf der Haut richtig weh tat! Da wir das erste mal fließend Wasser hatten, entschieden wir uns noch im Anschluss unsere Kleidung zu waschen.

 

Ein paar Tage später, sahen wir schon von Weitem eine Art Burg in den Bergen. Da wir nach wie vor nicht genug von besonderen Schlafplätzen bekommen konnten, entschlossen wir uns den anstrengenden Aufstieg zur Burg in Kauf zu nehmen. Schon ein paar Kilometer entfernt, konnte man sehen, dass auf dieser Burg nicht sonderlich viel los sein konnte. Mein abenteuersüchtiges Herz lachte auf! Unsere ganz eigene Burg, waaaas?! Besser geht’s ja wirklich kaum noch!

In der Burg angekommen, wurde uns schnell klar, dass hier weit und breit kein Schwein war! Nach einem gründlichen Erkundungsgang durch das brüchige Gemäuer, bauten wir schließlich unsere Zelte auf. Wir konnten tatsächlich im Innenhof dieser Ruine zelten, da hier eine Grünfläche war, die bis auf etliche Glasscherben wie für uns gemacht war! Nach dem Aufbau entschlossen wir uns noch die Spitze des Berges zu erklimmen, schließlich sollte so ein Abendessen wohl verdient sein. Ja .. nach so einem strapaziösen Tag absolut Hirnverbrannt, aber so sind wir eben!  

 

Der Aufstieg gestaltete sich etwas schwieriger als zunächst angenommen. Jedes mal, wenn wir dachten “Ah, Jawohl! Gleich haben wir’s, da oben ist der Gipfel!!”, entpuppte sich das Ganze als gemein gefährliche Täuschung des Berges und der Gipfel verschob sich um eine weitere Etappe nach oben. Als wir schon kurz davor waren aufzugeben, erreichten wir endlich den Gipfel und setzten uns erschöpft hin. Die Aussicht war einfach nur atemberaubend und man sollte meinen, in so einem Moment würden einem tausend Gedanken durch den Kopf gehen. Stattdessen machte sich in mir ein unglaublich warmes, beruhigendes Gefühl breit, welches mich alles für ein paar Sekunden vergessen lies, was in der Vergangenheit passierte oder in der Zukunft auf mich warten würde. Ich war einfach nur da und fühlte..

IMG_5537

 

Danach kehrten wir erschöpft an unseren extravaganten Schlafplatz zurück und grillten uns über offenem Feuer Würstchen. Einfach unglaublich, wie ein so einfaches Essen schmecken kann! Ich dachte mir wirklich jedesmal: Verdammt nochmal! Das ist mit Abstand das beste, was ich je gegessen habe!!! Nachdem wir wie die Götter gespeist hatten, entdeckte ich einen kleinen Skorpion (siehe Bild), der zwar im Feuer umgekommen war, mir aber trotzdem etwas Unwohlsein bereitete. Blöderweise war ich natürlich der Einzige ohne Campingstuhl und musste auf dem Boden sitzen.

 

Jeder von uns hatte bis hier mehr als genug Zeit, während dem Laufen nachzudenken. Ich sagte mir selbst immer: “Jetzt hast du endlich mal Ruhe von dem ganzen Scheiss, streng deinen Kopf an! Nutz die Zeit um dir über die Zukunft klar zu werden…”  Nach einer Weile begriff ich, dass du beim Reisen einfach nichts aktiv tun kannst um dich zu entwickeln. Du musst dich einfach hingeben und den Kopf ausschalten, dann geschieht es von ganz alleine. Viele Dinge, die sich in mir entwickelt haben, sind mir auch erst weit nach diesem Trip klar geworden. Wenn du so in den Tag hinein lebst, verliert die Zeitvariable total an Bedeutung. Dadurch, dass du dich irgendwann an den Rhythmus der Natur gewöhnst, früh mit der Sonne aufstehst und Abends mit ihr wieder zu Bett gehst, entsteht eine unglaubliche Ruhe in dir. Das schönste Gefühl, was ich bis jetzt überhaupt in meinem Leben spüren durfte. Die Zeit kommt dir so unendlich lang vor.

Einfach eins mit der Natur werden und dich dem Abenteuer des Lebens hin geben. Jeder Tag verändert alles und es passieren so unendlich viele, schöne und spannende Dinge, du musst nur mit offenen Augen durch’s Leben gehen. In fünf Jahren Alltagsleben in Deutschland erlebst du kein Viertel davon, was ich in diesen drei Monaten alles fühlen und erleben durfte. Ich bin so unglaublich dankbar dafür und kann es nur jedem weiterempfehlen.

IMG_5644

Nach mittlerweile etwa drei-einhalb Wochen fanden wir ein verlassenes Krankenhaus, welches wirklich gespenstisch war. Wie immer erkundeten wir das Gebäude zunächst und mussten nach Kurzem feststellen, dass wir hier lieber nicht übernachten sollten. Gruseliger ging es wirklich nicht mehr .. Überall zerbrochene Fenster und Scherben, tausende von geöffneten Medikamenten-Packungen und Spritzen. Außerdem überall Prothesen von Körperteilen und  ein wirklich furchteinflösender Fahrstuhl mit einem Rollstuhl darin. Das war wirklich wie im Horrorfilm. Hätten wir keine Stirnlampen gehabt und den Blitz der Kamera, hätte man in den meisten Räumen die Hand vor Augen nicht gesehen.

Nachdem wir das Innere erkundet hatten, versuchten wir unser Glück noch draußen. Wer sagt’s denn!?! Auf der Hinterseite des Krankenhauses fanden wir einen unglaublich schönen, idyllischen Olivenbaumwald. Hier sah es wirklich wie im Märchen aus. Ich habe heute noch das Bild eins zu eins vor Augen.

IMG_5662

Hier fühlten wir uns super wohl, auch wenn das Krankenhaus direkt nebenan war. 

Nun waren es nur noch wenige Kilometer bis zur französischen Grenze als das denkbar Ungünstigste geschah.. David verletzte sich am Bein und konnte nur noch schwer laufen. Er hatte sich wohl eine Art Sehnenscheidenentzündung zugezogen. Nach ein paar Tagen wurde uns klar, dass nur David und ich die Zeit dafür hatten, etwas langsamer zu tun und sein Bein auszukurieren. Wir mussten uns früher oder später also trennen. Eine Welt brach für uns zusammen. Wir hatten schon so unglaublich viel zusammen in diesem Monat durchgemacht und waren mittlerweile ein eingeschweißtes Team. Ohne eine feste Abmachung liefen wir vorerst noch weiter… da wir uns absolut nicht mit diesem Gedanken anfreunden konnten.

IMG_5786

 

Allmählich wurde es immer wärmer und wir konnten somit immer öfter ohne Zelt schlafen.

 

 

Wir hatten noch einige weitere ereignisreiche, spannende Tage. Vor Allem war uns Allen bewusst, dass unsere Gemeinsamkeit leider bald ihr Ende finden würde.. Das war wirklich ein schlimmes Gefühl. Vielleicht aber genau deswegen, genossen wir die Zeit noch viel mehr zusammen.

Wir erreichten die letzte größere Stadt “San Remo”, bevor wir nun nach Frankreich gelangen sollten. Uns war klar, hier war Endstation. Wir konnten Davids Fuß keinen weiteren Tag Belastung zumuten und gönnten uns ein Hotelzimmer. An diesem Abend gingen wir noch zusammen Pizza essen und du kannst dir sicher vorstellen wie schlimm das für uns gewesen sein muss. Das Gefühl war wirklich grausam und wäre vielleicht am besten mit dem Schmerz, nach einem ordentlichen Nierenhaken zu vergleichen.. Ob wir wollten oder nicht, wir mussten uns heute voneinander verabschieden.

 

IMG_5984

 

Während wir zusammen im Restaurant saßen waren Alle den Tränen nah und kaum einer brachte ein Wort heraus. Wir vereinbarten auf jeden Fall per Handy in Kontakt zu bleiben und uns gegenseitig auf dem Laufenden zu halten. Dieser Abschied war wirklich die Hölle. Nachdem die Jungs weiter zogen, verbrachten David und ich gezwungener Maßen noch zwei Nächte in San Remo, in denen wir zugegebener Maßen etwas depressiv wurden. Nach zwei Tagen hatte sich sein Fuß endlich etwas beruhigt und wir konnten langsam weiter ziehen. Dieses Mal zu zweit …

 

In Teil 3 dieser Artikelserie, erfährst du wie David und ich in Frankreich an kamen und beide erst mal feststellen mussten, dass es als Deutscher gar nicht so leicht in Frankreich ist. Außerdem erfährst du, wie sich viel für uns veränderte, da wir nun nur noch zu Zweit waren. Wenn dir der Artikel gefallen hat, würde ich mich sehr über ein Like auf meiner Facebook-Fanpage freuen. Außerdem würdest du mir einen riesigen Gefallen tun, wenn du meine Beiträge teilst und deinen Freunden von meinem Blog erzählst.

 

Bis dahin ganz liebe rebellische Grüße,

dein Andi

 

Avatar

Hey! Ich heiße Andi, bin 26 Jahre alt und wohne momentan in der Provinz Augsburgs. Ich bin ich ein absoluter Naturmensch und angehender digitaler Nomade, der immer auf der Suche nach dem Abenteuer ist!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Du möchtest mich bei meinen Projekten unterstützen?

Dann hilf mir mit einem Like auf Facebook!schliessen
oeffnen