1400 Km zu Fuß – Eine total verrückte Reise – Italien/Frankreich/Spanien (Teil 1)

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Hallo du Rebell da draußen!

Wie ich schon vor ein paar Wochen versprochen hatte, bekommst du nun einen Bericht über das absolut geilste Erlebnis in meinem bisherigen Leben.

Ich bin kein Mensch, der nach Aufmerksamkeit sucht. Im Gegenteil, ich mag es nicht sonderlich im Mittelpunkt zu stehen und bin eigentlich eher zurückhaltend und ruhig, wenn ich ehrlich bin. Zwei Jahre sind nun schon seit diesem Trip in’s Land gezogen und so langsam kommt in mir wieder das Bedürfnis auf, einfach mal wieder etwas total verrücktes zu tun, was sonst kaum einer tun würde. Ich war schon immer ein Mensch, dem “normal” zu langweilig war. Ich war schon immer ein Mensch, der anstatt in Fußspuren zu treten, Fußspuren hinterlassen wollte. Als ich noch jünger war, mit ungefähr 15 Jahren, sagte ich immer wieder zu meinen Eltern: “Für mich ist das alles hier einfach nichts … ich spüre, dass ich zu irgendetwas Größerem da bin! Ich fühle mich hier in diesem System, zwischen diesen ganzen Zombies, einfach nur unwohl! Ich hasse das, ich passe hier einfach nicht rein!”

Mich hatten schon viele Menschen verrückt genannt und die Meisten konnten mich einfach nicht verstehen. Im April 2014 saß ich dem Bild, welches die meisten Menschen in meiner Umgebung von mir hatten, die Krone auf. Aus einer total verzwickten Identitätskrise, beschloss ich meinen Rucksack zu packen und einfach abzuhauen.

Nur wohin wollte ich denn überhaupt? 

Wohin des Weges?

Ich schmiss mein Notebook an und klapperte per Google-Maps die Umgebung ab. Okay, da ich so etwas noch nie gemacht hatte, entschied ich mich dafür innerhalb Europa zu suchen. Vielleicht ein paar Wochen Kroatien um mich wieder zu finden? Nein .. Möglicherweise in die Schweiz oder nach Österreich? Nein, auch nicht ..

Okay – fuck off, denken wir in größeren Dimensionen. Ich bin weder ein Orientierungs- noch ein Geographie-Genie, also suchen suche ich mir etwas einfaches aus. Das ganze soll aber wesentlich länger dauern, als ein paar Wochen. Nach reichlicher Überlegung, bin ich dann irgendwann auf die Idee gekommen, von Genua (Italien), durch Frankreich, nach Barcelona (Spanien), zu laufen.

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Zu dieser Zeit wohnte ich gerade bei einem guten Freund von mir, der mich vorübergehend für einige Monate aufnahm. Kurz nachdem ich mich dazu entschlossen hatte meinen Plan in die Tat umzusetzen, erzählte ich meinem besten Freund David von der Idee. Ich kenne David schon über 10 Jahre und bin mit ihm durch verdammt schwierige Zeiten gegangen. Er ist einer der Wenigen, die genau so durchgeknallt wie ich und für jeden Blödsinn zu haben sind. Dazu besitzt er noch ein Riesen großes Herz und ist einer der friedlichsten Menschen, die ich überhaupt kenne. Wir zwei sind einfach unzertrennlich und verstehen uns wirklich blind. Da David sich zu diesem Zeitpunkt in einer ähnlich schwierigen Lebenslage befand, entschloss er sich kurzer Hand mich zu begleiten. Da ich schon immer ein unglaublich spontaner Mensch bin, setzten wir uns eine Deadline von vier Wochen. Ich liebe es einfach, wenn du dich auf solche Dinge so gut wie nicht vorbereiten kannst und dich einfach in’s kalte Wasser stürzt, wie man so schön sagt. Irgendwie gibt das dem Ganzen noch einen gewissen Kick. Grins

Eine Woche nachdem sich David dazu entschlossen hatte mich zu begleiten, entschlossen sich zwei weitere gute Freunde von mir ebenfalls mitzukommen! Wie geil war das denn bitte!?

 

Gesagt, getan!

Ohne großartig darüber nachgedacht zu haben, was uns für eine unglaublicher Trip bevorstand, packten wir am 31.März 2014 unsere Rucksäcke und um einen Tag später die Kurve zu kratzen. Im Nachhinein ist es schon verdammt lustig für mich, wenn ich mich zurück erinnere, wie ich mir zu diesem Zeitpunkt noch nicht mal ansatzweise im Klaren darüber war, was mir da bevorstand. Hätte ich gewusst, welche Schmerzen und Strapazen mir bevorstanden, wäre ich vermutlich sofort wieder umgekehrt.

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Nach etlichen Stunden Zugfahrt, kamen wir endlich am Hauptbahnhof in Mailand an, von dem wir nun nur noch nach Süden gelangen mussten. Etwa zwei Stunden darauf, erreichten wir schlussendlich unseren Startpunkt, die Hafenstadt Genua. Da wir schon von vornherein vereinbart hatten, dass wir auf diesem Trip keinen Platz für Hotelaufenthalte oder ähnlichen Firlefanz hatten, entschieden wir uns noch eine letzte entspannende Nacht im warmen Massage-Bett, eines High-Class Luxus Hotels zu verbringen.

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Spaß bei Seite, unterm Strich hatten wir alle tatsächlich so wenig Geld, das jedem etwas mehr als 400 EUR pro Monat zur Verfügung standen. Bei den überteuerten Lebensmittel-Preisen in den stark frequentierten Touristenorten, die auf unserer Küstenstrecke lagen, war da wirklich so gut wie gar kein Platz für Luxus. Schließlich wollten wir zum Schluss noch ein oder zwei entspannte Wochen in Barcelona verbringen, den Heimflug nach Deutschland bezahlen können und natürlich sicherheitshalber immer etwas auf der hohen Kante haben, falls irgendetwas passieren würde.

Nach einem wirklich schönen Abend, konnten wir alle zeitig schlafen und waren somit am nächsten Morgen startklar und strotzten nur so voller Motivation und Tatendrang.

 

Wie jetzt? Geht’s etwa schon los?

So blauäugig, naiv und unwissend, wie wir am Morgen aller Morgende in den Tag starteten, so abenteuerlustig und mutig waren wir auch. Wir hatten bereits im Kopf überschlagen, wie viel wir täglich laufen mussten. Doch schon nach ein paar Stunden laufen, wurde uns die harte Realität ganz schnell bewusst. David und ich schauten uns an und wussten, dass wir beide exakt das gleiche dachten.

What the fuck?

Ich glaub das war wohl doch ein bisschen zu gutgläubig.

Wie zur Hölle sollten wir das nur schaffen?

Wir mussten auf einen Tages-Schnitt von etwa 25-30 Km kommen, wovon wir am ersten Tag nicht mal ein Drittel bewerkstelligen konnten, bevor uns die Puste ausging! Zu Allem Übel kristallisierte sich nach der ersten Etappe schon heraus, dass ich den Fehler aller Trekking-Fehler begangen hatte… Ich hatte mir ein paar Wochen zuvor neue Schuhe gekauft, die ich natürlich nicht eingelaufen hatte. Jetzt kannst du dir sicher vorstellen, wieso mich meine Füße schon nach 10 Km anzuschreien begannen und mich keinen Meter weiter trugen. Hervorragend! Wie sollte das wohl weiter gehen..?!

Unsere erste Nacht verbrachten wir auf einer Grünfläche, einer total entspannten und idyllischen Parkanlage, an der permanent Menschen vorbei gingen und uns ziemlich entgeistert anglotzten. Wobei ich zugestehen muss, dass das schon ziemlich bescheuert ausgesehen haben muss.

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Nach dem Aufbau unserer Zelte, fiel uns plötzlich ein ungewöhnliche Schild auf.

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Nichtsahnend, bereiteten wir uns eine Art Eintopf mit Gemüse und Würstchen auf unserem Benzin-Kocher, zu. Bis uns die Übersetzung dieses Schildes, von ganz alleine einfiel. Hunderte Katzen-Augen begannen aus allen Richtungen im Dunkeln zu leuchten. Wir hatten unser Zelt auf einer sog. Katzen-Oase aufgebaut. Solche Katzen-Oasen gibt es öfter in Italien. Dort werden die streunenden Katzen regelmäßig gefüttert und medizinisch von Mitarbeiter des Tierschutzes versorgt. Nachdem wir gegessen hatten, beschlossen wir, dass es keinen Wert mehr hätte umzuziehen und wir nun versuchen würden zu schlafen.

Ungefähr zwei Stunden nachdem sich alle in ihrem neuen zu Hause etwas eingefunden hatten und dem verdienten Schlaf immer näher kamen, fuhren plötzlich überall Sprenkel-Anlagen aus dem Boden und spritzen alles von oben bis unten nass. Laut lachend bewegten wir uns wieder aus unseren Zelten und beratschlagten uns. Nach weiteren dreissig Minuten war das Spektakel wieder vorbei und wir beschlossen uns einfach wieder schlafen zu legen. Zum Glück fuhren die Sprenkler nicht mehr aus dem Boden, oder wir bekamen es einfach nur nicht mehr mit, weil wir so tief schliefen. Was sollte dieses Abenteuer noch für uns bereit halten, wenn der erste Tag schon so aussah. Ich muss heute noch über mein ganzes Gesicht grinsen, wenn ich an die ersten Tage zurück denke.

 

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Am nächsten Morgen wachten wir etwas angeschlagen auf und mussten erstmal sämtliche Sachen zum trocknen aufhängen.

In den darauffolgenden Tagen erlebten wir gefühlt, jeden Tag so viel, wie sonst in einem Monat. Die Zeit schien schier unendlich und der Stress von zu Hause verdünnisierte sich von Tag zu Tag immer mehr. Nach etwa 5 Tagen wurde mir so langsam klar, dass dieser Lebensstil genau mein Ding war. Du stehst morgens ohne Wecker auf, lässt dir von den ersten Sonnenstrahlen den Bauch kitzeln und wirst ganz langsam wach. Danach Frühstücken, alles zusammen packen und auf zu neuen Taten!! Es kann einfach alles passieren, dass Leben ist eine einzige Überraschung und ein riesiges Geschenk.

Nach ungefähr 8-10 Tagen stellten wir fest, dass Italien wahnsinnig viele leerstehende Gebäude hat. Sogar ganze Wohngebiete stehen dort wegen der wirtschaftlich schwierigen Lage leer. Also hatten wir uns überlegt mal wieder irgendwo unter Dach zu übernachten. Du wirst nicht glauben, was wir dann gefunden haben. Kurz vor Anbruch der Dunkelheit, entdeckten wir einen ganzen Gebäudedistrikt mit einigen leerstehenden, etwas gespenstischen Gebäuden.

 

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Wir konnten dort durch ein Loch im Zaun nach innen gelangen und überprüften erst einmal die Lage. Nach einiger Zeit waren wir uns einig, hier war keine Menschenseele mehr zu finden. Das würde unser Lager für diese Nacht werden. Auch, wenn uns wirklich mulmig zu Mute war, schnallten wir die Stirnlampe um den Kopf und erkundeten eines der Geisterhäuser. Wir waren mittlerweile sicher 2 – 3 Kilometer fern von Zivilisation und weit und breit war wirklich Niemand.

 

Nachdem wir das ganze Haus überprüft hatten, fanden wir eine total geniale Dachterasse auf der wir ein kaputtes Nachtkästchen zum Feuer machen benutzten. Das war auch ein wirklich unbeschreiblicher Abend. Der Blick auf die leicht beleuchtete Promenade ein paar Kilometer entfernt und um uns herum absolute Dunkelheit und Stille.

 

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Nach einem super luxuriösen Abendessen und einem weiteren Streifzug durch’s Gebäude, fanden wir noch alte Matratzen, die wir prompt ausklopften und uns ein Schlaflager bastelten. Danach verbarrikadierten wir das Dachzimmer mit alten Schränken, sodass uns kein unerwarteter Besuch Nachts überraschen konnte. Das war schon extrem unheimlich für uns, aber was einen nicht umbringt macht einen stärker, oder?!

 

 

So langsam kamen wir der französischen Grenze immer näher. Unser Willen es nach Barcelona zu schaffen war ungebrochen und meine körperliche Fitness war so gut wie nie zuvor. Was drei Wochen tägliches laufen ausmachen können. Einfach unglaublich zu was der menschliche Körper in der Lage ist.

 

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In Teil 2 dieser Artikelserie, erzähle ich dir von den letzten aufregenden Kilometern in Italien und warum die Reise vorläufig für David und mich zu zweit weiter ging. Wenn dir der Artikel gefallen hat, würde ich mich sehr über ein Like auf meiner Facebook-Fanpage freuen. Außerdem würdest du mir einen riesigen Gefallen tun, wenn du meine Beiträge teilst und deinen Freunden von meinem Blog erzählst.

 

Bis dahin ganz liebe rebellische Grüße,

dein Andi

 

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Hey! Ich heiße Andi, bin 26 Jahre alt und wohne momentan in der Provinz Augsburgs. Ich bin ich ein absoluter Naturmensch und angehender digitaler Nomade, der immer auf der Suche nach dem Abenteuer ist!

6 Gedanken zu „1400 Km zu Fuß – Eine total verrückte Reise – Italien/Frankreich/Spanien (Teil 1)

  • Hallo Andi,

    welch schöner lebendiger Reisebericht. Es gehört schon eine Portion Mut dazu, in gewisser Weise “einfach loszuwandern”. Die Episode mit der Katzenwiese ist einfach witzig. Bin gespannt, wie es weiter ging.

    Fussige Grüsse, Jana

    • Freut mich Jana! Ja da habe ich mir aber ehrlich gesagt keine Gedanken darum gemacht. Einfach anfangen zu laufen, danach kann man sich immer noch beschweren, haha. Das mit den Katzen war wirklich zum totlachen! 🙂 LG Andi

  • Hallo Andi,

    toller Beitrag! Du schreibst so, als wäre man ein Stück weit dabei gewesen.
    Ich bin echt gespannt wie es weiter geht!
    Freu mich jetzt schon auf den zweiten Teil!

    Liebe Grüße
    Jini

  • Bin total dabei, Andi – kann da den vorigen Kommentaren nur zustimmen, sehr lebendig und toll erzählt! Die Freiheit im Leben, genau das zu tun und aufzubrechen wann man will, sollte immer da sein!! LG

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